Untersuchung am Rand 2007-09

Zwischen Illusionismus und abstrahierender Auflösung.

Ophelia`s Heimkehr aus einer Gesellschaft reflektiert die Shakespeare Figur, formal ist es die teilweise sich auflösende Wasserfläche des Flusses. Der chinesisch codierte Titel des Bildes will eine kulturelle Problematik der Globalisierung erlebbar machen. Europa, am Rand ist äusserlich der Ort am „Rand des Mittelmeeres“ oder am „Rand Europas“, insbesondere physisch dessen Abgrenzungsreibung und daraus entstehende Formen und Erscheinungen. Um Herausarbeitung anthropomorpher Erscheinungen in bizarren Formen zwischen Himmel und Hölle ging es auch bei Yorick: Weglassen, verstärken und abstrahierend Interpretieren. 

Gegenständliche Malerei an Rändern von Wirklichkeiten.

Wenn man in der Abstraktheit gestartet ist und sich dann bewusst der Gegenständlichkeit zugewandt hat, ist diese Gegenständlichkeit vor dem abstrakten Hintergrund aufzufassen.
Abstrakte Gestaltung ist stärker unmittelbare künstlerpersönliche „Erfindung“ und offensichtlich mit Rätseln behaftet, während die Auseinandersetzung mit Gegenständlichkeit nur scheinbar verständlicher ist und mehr mediale Aspekte hat.. In beiden Fällen ist da die durch die Künstlerpersönlichkeit gewordene Form, das Werk.
 „C`est le regardeur qui fait le tableau.“, meinte Marcel Duchamp. Er selbst zog sich in eine Welt verschlüsselter Formen zurück, um diesen Gedanken erlebbar zu machen, betätigte sich als „Rätselmacher“. Die BetrachterInnen haben sich mit den Duchamp – gewollten Verschlüsselungen auseinander zu setzen. Ihnen wird also sehr bewusst, dass sie sich mit einer Künstlerpersönlichkeit befassen, indem sie deren Werk anschauen. Damals eine neue geistige Erkenntnis, ist heute dieser theoretische Ansatz der Beteiligung der Betrachter am Werk die Basis, muss nicht mehr als neuer Gedanke in Form gefasst erscheinen.
Im Fall gegenständlicher Malerei spielt deutlicher die Verwirrung der Vernetzung mit der Betrachterpersönlichkeit, bleibt derselben aber oft unbewusst. (1)
Die Künstlerin bleibt im Hintergrund, verhält sich als Vermittlungsapparatur ihrer gedanklichen Welt. Postmodern möchte ich diesen Ansatz provokativ nennen, der sozusagen elitär auf dieser Basis aufsetzt. Ich benutze diesen Begriff explizit wertfrei und meine damit die unausweichliche und sogar notwendige Verfügbarkeit von allem über alles, als angsterzeugendes Chaos interpretierbar. Die Kunst, so scheint  mir, ist heute mehr denn je das Leben selbst, im zielfreien Lebensraum, ohne Angst. Ein Credo? Also doch nicht zielfrei? – Doch nicht wertfrei?
Bei gegenständlichen Arbeiten ist der Vorgang der „Entstehung“ des Werks im Sinne Duchamps durch die Betrachtung genauso gültig, wird weniger bewusst wahrgenommen, ist sozusagen verwischt. Der und die BetrachterIn wähnt sich stattdessen in einer objektiven Welt, meint, sie sei „seine“, „ihre“ Welt, die ihm und ihr durch das Werk vorgegaukelt wird. Die Erwartung, durch „Fremdes“, „Verschlüsseltes“ bereichert zu werden, wird nicht sofort erfüllt. Trotzdem handelt es sich bei gegenständlichen Werken de facto um abstrakte formale Gestaltungen. Wem ist dies bewusster, als der Macherin selbst ?! Es wird lediglich mit Netzhautprojektionen der visuellen Wahrnehmung kokettiert. Die Schnittstelle ist erst zwischen Wahrnehmung und Gehirn diejenige, die Wirklichkeit entstehen lässt und den Umgang mit ihr befragt.
Insofern handelt es sich bei der Auseinandersetzung mit gegenständlichen Bildern um die Kommunikation zwischen persönlichen Universen zur Frage der sogenannten Wirklichkeit.
Diese Frage ist in heutiger Zeit multipler Glaubenssysteme interessant. Davon ausgehend, dass der Bordcomputer Gehirn einen schmalen geistigen Sehschlitz auf  aussen herum Befindliches offen hält und verarbeiten kann, wird dieses „Aussen“ als Gegenstand der Wahrnehmung und Kommunikation umso interessanter. Wenn Wirklichkeit ein an die jeweilige Gattung und Lebensform angepasstes Modell ist, wird dieses Wirklichkeitsmodell der Spezies Mensch zum zentralen Thema kultureller Entwicklungsdiskussion.

(1)  Da wäre in diesem Zusammenhang der Gedanke aufzugreifen, inwiefern sich auch der Vorgang der Betrachtung modellhaft anpasst. Ob der von Duchamp angesprochene „regardeur“ nicht vielmehr dem schnellen Hin- und Weggucker oder Glotzer gewichen ist? Selbstverständlich ein kunstmarktrelevanter Aspekt der Reflektion und darauffolgenden Macherbeeinflussung.....

© Franziska R. 2008

 

 

Yorick
Öl auf Leinwand, 190x105cm, 2007
Ophelia`s Heimfahrt aus einer Gesellschaft
Öl auf Leinwand, 105x190cm, 2007
Europa am Rand I
Öl auf Leinwand, 190x105cm, 2007, Privatbesitz
Europa am Rand II
Öl auf Leinwand, 190x105cm, 2009