Weltentwürfe I 1990-99

Von der Figur zum Blick auf dingliche Motive

In den 90er Jahren war motivisch die Figur im Vordergrund. Meine Bildinhalte suchten Ausdruck in Gestalt und Inszenierung der menschlichen Figur. ich stieg in die Welt bedeutungsverdichteter Gestalten griechischer Mythologie und beschäftigte mich mit Pythia, Pandora, Selena, Sibylla und anderen bildgebenden Motiven, die ich als reduzierte Figuren in gemalten Bildräumen inszenierte.
In „Dul-Dung“, dem 1994 entstandenen Bild mit dem fliegenden Kuhweib, benutzte ich bewusst die Fleischfarbe der menschlichen Haut, um meine Affinität zum anthropomorphen Aspekt der Motivwahl deutlich zu machen. Dies geschah nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der seit langem währenden Befragung anthropozentrischer Weltbilder. Von da aus war der Weg über tierische Motive als alternative Wahl zu menschlichen für längere Zeit als roter Faden gegeben. Mit „Un-Termeer“ folgte 1996 der tauchende Elefant in ähnlicher Manier.
Dazwischen entstand die 8teilige Serie „Konserven“, wiederum und vorläufig ein letztes Mal auf die Figur zurückgreifend. Hierbei ging es mir um die Visualisierung gestaltgewordener, über menschliche Fassbarkeit hinausreichender Dimensionen. Man stelle sich in Bernstein eingeschlossene Bakterien im Mägen von konservierten Bienen vor, die nach millionen Jahre dauernder Konservierung wieder zum Leben erweckt werden...
Indem ich mich vom Königsmotiv Figur abwandte, erweckte die mir fremdere Welt von zunächst Pilzen, Giftpflanzen, Fischen und tropischen Pflanzen meine Aufmerksamkeit. Ich liess mich von ihnen in eine wertfreiere Handhabung des Motivs hineinführen. Gleichzeitig entwickelte sich meine Arbeistechnik weiter. Intensiver als vorher arbeitete ich mit der Fotografie als Vorstufe zur Malerei. Während vorher meine Inhalte über die figürliche Inszenierung stattfand, verlagerten sich inhaltliche Auseinandersetzungen nun vielmehr auf die Wahl selbst der Motive. 1999 entdeckte ich die weissen Ziegen, Versuchstiere einer Extrazucht ohne Hörner. Später faszinierten mich die Schweine einer Freilandfleischzucht und auf Mahé genoss ich zwar wohl den Blick aufs Meer, aber motivisch fesselten mich die hornlosen Kühe in Kombination mit den dimensional kaum fassbaren hohen Kokospalmen.

 

 

 

Konserven
Öl auf Baumwolle, 400x90cm, 1995
Dul-Dung
Öl auf Baumwolle, 174x121cm, 1994, Privatbesitz
Himmel und Hölle, 10teilig / Einzelteil Tintenfisch
Öl auf Baumwolle, 40x90cm, 1996, Privatbesitz
Himmel und Hölle, 10teilig
Öl auf Baumwolle,zus. 305x260cm, 1996, Privatbesitz
Die Mauerguckerin
Öl auf Baumwolle, 195x135cm, 1994
Sibylle
Öl auf Baumwolle, 150x130cm, 1991
Sarkophag
Triptychon, aussen, Öl auf Holz, 81x84cm, 1999, Privatbesitz
Hier kommt die Braut
Öl auf Baumwolle, 111x80cm, 1990/96, Privatbesitz